Heidelberg - Theater
Zimmertheater Heidelberg |
| "Klein aber fein - und anspruchsvoll. Unterhaltsames Theater am Puls der Zeit, mit Spaß und Freude den Themen des sich beständig wandelnden Lebens nachspüren - und das hautnah wie nirgendwo sonst für die Zuschauer: das ist das Erfolgsrezept des zweitältesten Privattheaters Deutschlands im Herzen der Altstadt Heidelbergs im malerischen Hinterhof-Ambiente."
Hauptstraße 118 69117 Heidelberg http://www.zimmertheaterhd.de/ |
Besuchermeinungen zu "Zimmertheater Heidelberg"
Nora Zorn
schrieb am 21.05.2005
Klein, aber oho!
Ich finde Heidelberg wunderbar und bin davon überzeugt, dass
es in dieser Stadt für jeden etwas Interessantes zu sehen gibt,
und wäre es nur die herrliche Lage im Neckartal mit der
hochaufragenden Schloss-Ruine auf der einen Seite und dem
Philosophenweg auf der anderen.
Mich zieht aber seit Jahrzehnten ein ganz besonderes Kleinod
dorthin, das Z i m m e r t h e a t e r in der Altstadt (Hauptstraße
118). Es hat nur 93 Plätze und die Bühne ist 4 m tief und ca. 7,5
m breit. Man muss in der ersten Reihe die Beine einziehen, um
den Schauspielern nicht in die Quere zu kommen. Das gibt dem
Ganzen eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre und ist doch
dank der guten Stücke, die dort gespielt werden, großes Theater
im Kleinen.- Da die derzeitige Intendantin, Dramaturgin und
Regisseurin Ute Richter eine Gespür für gute Stücke, für
moderne Theaterautoren und für gute Schauspieler hat, kann
sich das Zimmertheater mit Fug und Recht als „großes kleines
Theater“ bezeichnen. Groß, was das Niveau betrifft, klein von der
Fläche her.
Dort wurden z.B. zwei Stücke von Yasmina Reza aufgeführt. Das
Stück „Kunst“ hat mir außerordentlich gut gefallen, da es den
Vernissagenrummel und den gesamten Kunstbetrieb auf sehr
subtile Weise aufs Korn nimmt anhand eines „rein weißen
weißen“ Gemäldes, das einer der Protagonisten sich gekauft hat.
Es war furchtbar teuer und deshalb müßte es eigentlich auch
seinen Freunden gefallen. Trotz Freundschaft und guten Willens
finden die Freunde das Bild aber eben nur leer und eben
schlichtweg ganz w e i ß. Das führt zu mancherlei Ärger,
Kränkung, Missverständnissen - und der Streit wird in herrlichen
Dialogen ausgefochten.-
So sind die meisten Stücke im Zimmertheater: Anspruchsvoll -
aber nicht verbissen ernst und heiter, meist witzig (selten aber
zum Totlachen), modern - aber ab und zu auch klassisch.
Die Intendantin Ute Richter hat ihr „Handwerk“ unter Anleitung
von Gillis von Rappard gelernt, obwohl sie ursprünglich
Psychologin werden wollte und dieses Fach auch schon eine
Weile in Heidelberg studiert hatte. Sie fiel durch eine Prüfung -
und so kam es, dass sie im damals noch sehr jungen
Zimmertheater anfing zu jobben.- Und hängen blieb.- Als Gillis
von Rappard aus Altersgründen aufhörte, übernahm (1985) Ute
Richter die Leitung des Theaters. Man merkt ihren
Inszenierungen an, dass ihr die psychologische Ausarbeitung
der Charaktere sehr wichtig ist und dass nichts nur der
Effekthascherei dient. Sparsamer Umgang mit Gestik und Mimik
gibt den Stücken eine Dichte, eine Zurückgenommenheit, eine
Qualität, die man in Heidelberg zu schätzen weiß.
Ute Richter hat einen guten Riecher für zeitgemäße Stücke, für
gute internationale Autoren und für exzellente Schauspieler.
Diese wirbt sie von manchen großen Bühnen Deutschlands für
einige Monate ab und hebt damit das Niveau ihres kleinen
Theaters. Das Publikum dankt es ihr durch llangjährige Treue.
Dies zeigt sich schon allein dadurch, dass das Theaterchen eine
Auslastung von 97 % hat. Davon können große Bühnen nur
träumen. - Ein Freundeskreis Zimmertheater e.V. unterstützt die
Bühne finanziell, die übrige Finanzierung kommt von der Stadt
Heidelberg und durch Landesmittel.
Das 50jährige Bestehen im Januar 2000 wurde mit dem Zwei-
Männer-Stück „Enigma“ gefeiert. Es war wieder ein voller
Erfolg.Die Schauspieler Harald Heinz und Olaf Bison zeigten,
dass es möglich ist, das Publikum zwei Stunden lang zu fesseln.
Dazu trug auch das phantasievolle Bühnenbild bei, das trotz der
kleinen Fläche durch geschickte Raumnutzung den Eindruck von
Raumtiefe und Weite vermittelte. Dies gelang z.B. durch
Verandatüren, die sehr überzeugend das Vorhandensein eines
Gartens (Rosenranken draußen an einem Spalier) suggerierten.
Der geschickte Umgang mit dem kleinen Bühnenraum durch die
Bühnenbildner war schon immer für eine Überraschung gut und
erfreut die Besucher immer wieder.
Das kleine Theater ist in der bekanntesten Straße Heidelbergs
angesiedelt, nämlich der Hauptstraße, die Fußgängerzone ist.
Der Eingang ist schmal und leicht zu übersehen, da das
Zimmertheater sich im Hinterhaus befindet. Ein Blumenhändler
bietet seine duftigen Gebilde im Durchgang zum Hof an und hat
den Innenhof hübsch gestaltet. Dies kommt dem Theater zu
Gute, da das Höfchen im Sommer als luftiges Foyer genutzt
wird. Obwohl es so versteckt ist, finden interessierte Besucher
doch regelmäßig dorthin und viele Stammgäste halten ihrem
Theater seit Jahrzehnten die Treue.
Zur Zeit läuft das Stück „Endgeil“ von Gert Heidenreich. Es
handelt von einem Enkel, der auf Grund besonderer Umstände
alleine mit seinem Großvater die Ferien verbringen muss. Wie
sich die beiden einander annähern, kann man sich an jedem
Werktag (außer dienstags) um 20 Uhr und sonntags um 17 Uhr
anschauen.
20.5.05 Nora Zorn
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